Am 26. Juni 2026 waren wir als egNEOS in Berlin zu Gast beim Auftaktworkshop des Projekts EnerFair – Bürgerenergie sozial gestalten: Teilhabe für Haushalte mit geringem Einkommen. Ausgerichtet wurde der Workshop im Ellery Studio, einer kreativen Strategie- und Innovationsagentur mitten in Berlin – ein Ort, der mit seiner offenen, werkstattartigen Atmosphäre genau die richtige Bühne für einen Tag voller Austausch, neuer Perspektiven und gemeinsamer Ideenentwicklung bot.
Worum geht es bei EnerFair?
Bürgerenergiegemeinschaften verbinden lokale Wertschöpfung mit demokratischer Mitbestimmung und gelebtem bürgerschaftlichem Engagement – sie gelten zu Recht als eine der vielversprechendsten Organisationsformen der Energiewende. Doch die Realität zeigt auch: Sozioökonomisch benachteiligte Haushalte werden von diesen Strukturen bislang nur unzureichend erreicht und sind selten an Entscheidungsprozessen beteiligt.
Genau hier setzt EnerFair an. Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte Projekt untersucht, wie die Reichweite und gesellschaftliche Verankerung von Bürgerenergie gestärkt werden kann – konkret durch die Entwicklung inklusiver Teilhabemodelle und zielgruppengerechter Kommunikationsstrategien für Haushalte mit niedrigem Einkommen. Am Ende sollen die Erkenntnisse in einen praxisorientierten Leitfaden münden, der Energiegemeinschaften bundesweit dabei unterstützt, inklusivere Ansätze in ihrer eigenen Arbeit zu verankern. Projektträger ist das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) gemeinsam mit dem Ellery Studio als Kooperationspartner.
Als Energiegenossenschaft, die sich selbst intensiv mit der Frage beschäftigt, wie wir möglichst viele unterschiedliche Menschen für die Energiewende gewinnen und mitnehmen können, war für uns schnell klar: Dieses Projekt wollen wir aktiv unterstützen.
Der Auftaktworkshop: Vielfalt an einem Tisch
Was den Workshop besonders gemacht hat, war die Bandbreite der Teilnehmenden. Neben uns als Energiegenossenschaft saßen Vertreter:innen aus Sozial- und Wohlfahrtsverbänden, aus Energieberatungsstellen der Verbraucherzentralen, aus NGOs und der Wissenschaft am Tisch. Jede dieser Perspektiven brachte einen eigenen, wertvollen Blick auf die zentralen Themen des Projekts mit: soziale Teilhabe, Energiearmut und die Frage, wie eine wirklich gerechte Ausgestaltung der Energiewende aussehen kann.
Für uns als egNEOS war es besonders wertvoll, unsere praktische Erfahrung einzubringen – insbesondere, wie wir als Genossenschaft neue gesellschaftliche Gruppen ansprechen und für eine Beteiligung an der Energiewende gewinnen können. Genossenschaftliche Strukturen bieten hier viel Potenzial, aber auch viele offene Fragen: Wie erreichen wir Haushalte, die bisher kaum im Blick von Energiegemeinschaften waren? Welche Hürden – finanziell, sprachlich, informationsbezogen – stehen einer Teilhabe im Weg? Und wie lassen sich Angebote so gestalten, dass sie wirklich ankommen?
Gleichzeitig war der Workshop weit mehr als ein reiner Arbeitstermin. Er war auch ein wichtiges Vernetzungstreffen – mit anderen Genossenschaften und mit erfahrenen Akteur:innen, die sich seit Langem für Teilhabe und soziale Gerechtigkeit im Energiebereich einsetzen. Solche Begegnungen sind Gold wert: Sie schaffen Verbindungen, aus denen neue Kooperationen und gemeinsame Projekte entstehen können.
Warum uns dieses Engagement wichtig ist
Die Energiewende kann nur dann wirklich gelingen, wenn sie von möglichst vielen Menschen mitgetragen wird – unabhängig vom Einkommen. Als Energiegenossenschaft verstehen wir uns als Teil einer Bewegung, die Energieerzeugung und -nutzung demokratisieren will. Projekte wie EnerFair helfen dabei, blinde Flecken sichtbar zu machen und konkrete, praxistaugliche Lösungen zu entwickeln, wie Bürgerenergie sozial gerechter gestaltet werden kann.
Wir freuen uns darauf, das Projekt in den kommenden Monaten weiter aktiv zu begleiten, unsere Erfahrungen einzubringen und gemeinsam mit den anderen Beteiligten daran zu arbeiten, dass am Ende ein Leitfaden entsteht, von dem Energiegemeinschaften in ganz Deutschland profitieren können.
Mehr Informationen zum Projekt EnerFair finden Sie beim IÖW sowie auf der Projektseite des Bündnis Bürgerenergie.